Stichwort zu Ihrem Immobilienwunsch eingeben:

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Der verbreitete Unsinn über das „Bestellerprinzip“

In den letzten Tagen wurde sehr viel über die Gesetzesvorlage zum „Bestellerprinzip“ berichtet.
Leider wurde dieses Thema an vielen Stellen fehlerhaft erläutert, was zur Verunsicherung der Verbraucher beigetragen hat und beiträgt.

Wir versuchen, kurz und bündig etwas Licht und Objektivität in die Berichterstattung zu bringen:
  1. Das sogenannte „Bestellerprinzip“ gibt es im Grunde schon ewig, siehe § 652: „Der Maklervertrag“ und das Wohnraumvermittlungsgesetz.
  2. In vielen Bundesländern wird schon immer die Maklerprovision zwischen Käufer und Verkäufer hälftig geteilt oder vom Vermieter die Maklerprovision übernommen.
  3. Die Gesetzesvorlage betrifft nur die Wohnraumvermittlung (Vermietung) und nicht den Kauf/Verkauf.
  4. Die Mehrheit der Immobilienmakler unterstützen grundsätzlich das, was der Verbraucher unter dem Bestellerprinzip versteht (der Leistungsempfänger bezahlt). Aber sie stehen nicht hinter dem jetzigen Gesetzentwurf.
  5. Die meisten politischen Kommentare zur Gesetzesvorlage sind nicht nur falsch, sie erfolgen auch gegen besseres Wissen. Und sie sind widersprüchlich: Einige suggerieren die Möglichkeit, dass auch ein Mieter einen Makler bestellen kann. Das ist im Grunde falsch.
  6. Die Gesetzesvorlage wird es in seiner heutigen Form ausschließen, auch als Mieter einen Makler mit einer echten Suchleistung beauftragen zu können.
    Das ist verbraucherfeindlich und nach unseren Gesetzen, die grundsätzlich die Vertragsfreiheit vorsehen, verfassungswidrig.
  7. Es handelt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal um eine Gesetzentwurf, sondern vorläufig um eine Gesetzesvorlage. Sie muss erst alle parlamentarischen Hürden nehmen.
  8. Leider sind wir Makler nicht ganz unschuldig an der Gesetzesvorlage. Den Mietern wurde durch einige Makler das Gefühl vermittelt, sie seien vom Vermieter beauftragt und haben deshalb für den Mieter keine Leistung zu erbringen. Das ist falsch! In den meisten Fällen ist der Mieter Auftraggeber (BGB §652ff), weiß aber nicht, dass er vom Makler eine ordentliche Leistung fordern könnte, die über die reine Exposéversendung oder das "Türaufschließen" hinaus geht. Hierdurch ist ein völlig falscher Eindruck der tatsächlichen Pflichten eines Maklers entstanden. Den aus dieser Fehlinformation resultierenden Unsinn, den jetzt der Gesetzgeber vor hat, haben wir Makler insofern mit zu verantworten. Aufklärung tut Not.

Wir werden als Immobilienbranche diesem Unsinn, der nur als Wahlkampf-Posse nachvollziehbar zu sein scheint, durch viel Aufklärungsarbeit und gegebenenfalls durch eine Klage entgegentreten müssen. Auch im Sinne des Verbrauchers.

Das Ziel, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und oder den Mieter zu entlasten, wird mit diesem Gesetz bestimmt nicht erreicht!

1 Kommentar:

  1. Dankeschön für diese klare Darstellung eines derart diffus verbreiteten Themas.

    AntwortenLöschen